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Autor: Susan Guadagno (comments only in English please!)
Übersetzung ins Deutsche: FoolishGirl

 

"Die Fans von Detective December schlagen wieder zu." murmelte Skalany, die ihr Gelächter kaum hinter einem Husten verbergen konnte, während sie einen riesigen, roten Weihnachtsstern, gefolgt von verschiedenen hanffarbenen und kleineren weißen Briefumschlägen auf seinen Schreibtisch stellte.
"Den Chief freut das gar nicht"
Peter Caine blickte hoch, Hitze machte sich in seinen Wangen breit.
"Wie oft soll ich dir noch sagen, ich bin nicht Detective December"
"Beteuere es nur weiterhin, Peter, vielleicht glaubt es dir ja mal jemand."

Skalany grinste ihn an. "Heißt das, ich kann die Blumen haben?"
Er schob den Stapel Briefumschläge über den Schreibtisch in ihre Richtung zurück.
"Das heißt du kannst alles haben."
"Nein, nein. Die Fan-Post möchte ich nicht, nur die Blumen."
"Alles oder nichts."

"Fein." Sie steckte sich alles wieder unter den Arm und hob den Weihnachtstern mit einem leichten Ächzen an. "Schließt du den Bericht über den schiefgelaufenen Banküberfall des bewaffneten Weihnachtsmannes noch ab?"

Peter seufzte. Der Bankwächter würde überleben, aber die Familie des Bankdirektors würde dieses Jahr ein beschissenes Weihnachtsfest ohne den Vater habe. *So viel zur angeblichen Friede auf Erden Philosophie in dieser Jahreszeit.*
"Könnte ich, falls Jemand aufhört mich zu unterbrechen."
"OK. Ich geh ja schon." Sie drehte sich um und ging mit wild wippenden Blüten quer durch das Revier.

Zwei Berichtsseiten später hörte man erfolglos unterdrücktes Gelächter im Präsidium. Peter blickte rechtzeitig zu Mary Margarets Schreibtisch, nur um zu sehen, wie sie einen schwarzen String-Tanga zwischen ihren Fingerspitzen baumeln ließ.

"Oh Detective December?" rief sie. "Hier ist etwas, was dir ein Fan zukommen lassen möchte. Und da wir gerade von Fan sprechen, dazu gehört eine ziemlich interessante Wunschvorstellung."
"Ich bin nicht Detective December" murmelte er, während sich seine Wangen erneut röteten. Er wandte sich wieder seiner Tastatur zu, konnte sich aber nicht mehr auf den Bericht konzentrieren.

Bei der Mildtätigen Vereinigung der Polizei mit zu machen schien damals eine gute Idee gewesen zu sein. Er und Kelly waren - wie auch im Moment - wieder einmal getrennt, so wie es öfter in ihrer ständig wechselnden Beziehung war. Er hatte aus einer Laune heraus an den Probeaufnahmen teilgenommen und war total geschockt gewesen, als er erfuhr, dass er als eines der Monats-Modelle ausgewählt worden war. Gewiss, sein Ego war entzückt. Er war sich sicher, dass es eine gute Möglichkeit war, die Frauenwelt zu beeindrucken. Jetzt war er sich nicht mehr so sicher, dass er alle von ihnen beeindrucken wollte. Wie diejenige, die ihm das Höschen mit der Post geschickt hatte. Aber andererseits.

Er blickte zur Wand, wo verschiedene Ausgaben des Kalenders hingen, eine Anerkennung seiner Kollegen. Schon seit Juli tauchten die Fotos von Detective December an der Wand auf, als jemand - Er nahm an, dass eine frustrierte Kelly dafür verantwortlich war, war aber nicht in der Lage es zweifelsfrei zu beweisen. - das Gerücht über Detective December gestreut hatte.
Besagtes gut aussehendes Modell lag auf einem Heuhaufen, einen Arm hinter seinem Kopf und total nackt, abgesehen von einer Weihnachtsmütze, die über seine Augen gezogen worden war und etwas strategisch platziertes Heu, um seine unteren Regionen zu verdecken.

Peter widerstand dem verspäteten Drang sich im Schritt zu kratzen. Das verdammte Heu hatte ihm für Tage einen Ausschlag beschert. Ein leichtes Grinsen erschien in seinen Mundwinkeln, als er seine Pose bewunderte.
Nicht schlecht, Peter. Skalany unterbrach seinen Blick abrupt, als sie sich auf den Rand seines Schreibtisches setzte.

"Nein, ich bin noch nicht fertig." schnauzte er sie an. " Und es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass er jemals fertig wird, wenn du nicht aufhörst mich mit diesem Detective December Zeugs zu nerven."
Er blickte auf - und hielt inne. Mary Margarets dunkle Augen schimmerten voller ungeweinter Tränen. Die störrische, zähe Polizistin war nicht oft den Tränen nah.

"Hey, Mary Margaret, es tut mir leid. Was ist los?"
Sie wedelte mit einem weißen Umschlag. "Es interessiert mich nicht wer er ist, aber Detective December sollte das hier unbedingt lesen. Sieh zu, dass er das kriegt, das tust du doch?" Sie legte ihn genau in die Mitte des Schreibtischs und tippte dreimal mit ihrem Zeigefinger darauf. "Ich meine es ernst, Peter. Ich möchte, dass er das liest." Ohne ein weiteres Wort hüpfte sie von seinem Schreibtisch und eilte los, schnurstracks aus dem Revier raus.

Peter nahm sich den Umschlag. Eine saubere, klare Handschrift beschriftete die Außenseite, die Absenderadresse verwies auf einen nahegelegenen Vorort. Kein Parfümduft, wie bei einigen anderen, die er auf seinem Schreibtisch gefunden hatte. Und man konnte die Konturen eines Fotos erkennen.
Er blickte in die Richtung, in die Mary Margaret geflohen war. Irgend etwas hatte sie zutiefst berührt. Er griff nach unten und steckte den Umschlag in die Tasche seiner Lederjacke, die über seiner Stuhllehne hing. Detective December würde ihn aus Respekt vor seiner Kollegin lesen. Aber nicht hier. Strenlich starrte schon zu ihm herüber. Und bestimmt nicht jetzt.
Peter wandte sich wieder seinem Bericht zu, während seine Finger nur zögerlich über die Tastatur glitten.

 


Die Türe zu seinem Appartement schloss sich. Ohrenzermürbende Stille umgab ihn. Mit einem Seufzer legte er seine Jacke über die Sofalehne und ging in Richtung Küche. Dort angekommen öffnete er den Kühlschrank. Er schob zwei Packungen chinesischer Außer-Haus-Gerichte zur Seite, nahm sich eine braune Flasche und warf die Türe zu, so dass die übriggebliebenen Flaschen aneinander stießen und klirrten. Er öffnete den Verschluss und schnipste ihn quer über die Arbeitsfläche. Schlitternd kam er an seinem Anrufbeantworter zum Halt, wo ihn das rote Licht anklagend anblinkte.

Vielleicht hatte Kelly angerufen?
Eher seine Mutter, die wissen wollte, ob er Heiligabend zum Essen kommen würde.
"Ach, alles Quatsch," murmelte er und drückte den Abspielknopf.

"Hey, Pete. Ich bin es, Mary Margaret." Ihre Stimme war nuschelig, voller Gefühl und wahrscheinlich auch ein klein wenig zuviel Festtagsstimmung. Sie hatte sich unmittelbar nach der zweiten Schicht freigenommen und das verräterische Klirren von Gläsern und die lauten Stimmen verrieten ihm, dass sie von einer Bar aus anrief.
"Ich wollte nur wegen des Briefes sicher gehen. Du machst es doch, oder? Ich meine, du musst es tun. ´Tschuldige, Detective December muss es tun." Sie schnüffelte. "Es ist das Richtige und du weißt das."

Während Skalany von der Maschine aus plapperte, kramte Peter wieder im Kühlschrank und nahm sich eine Packung mit Resten heraus. Er tat sich etwas Rind Lo Mein auf den Teller und stellte ihn in die Mikrowelle.
"Ich muss jetzt gehen. Ich rufe dich später wieder an."
Klick. Piepton.

"Pete. Ich bin's wieder." Dieses Mal klang ihre Stimme noch mehr nach Alkohol und Gefühlen. "Bevor du fragst, ich bin zu Hause, sicher und gesund, und ja, leicht angesäuselt. Hör zu. Ich werde dir erzählen, warum diese Sache so wichtig für mich ist..."

Die Mikrowelle klingelte und er holte sich sein Abendessen heraus, nahm sich dann eine Gabel aus der Spüle, die er kurz abspülte und schnell abtrocknete, bevor er sie in die dampfenden Nudeln grub.

Ein tiefer Seufzer war von der Maschine zu hören. " Ich habe weder dir noch irgend Jemandem sonst das jemals erzählt, aber ich habe vor langer Zeit eine Schwester verloren."
Die Gabel schwebte in der Luft, sein Mund stand offen.
Peter stellte seinen Teller auf die Anrichte und ging näher zu seinem Anrufbeantworter.
"Sie war drei Jahre älter als ich. Als sie 17 war, wurde Leukämie diagnostiziert. Alles was sie jemals wirklich wollte, war zu ihrem Abschlussball zu gehen. Wir haben ihr das perfekte Kleid dafür gekauft." Skalany räusperte sich.
"Wir haben Sie 2 Wochen vor dem Abschlussball darin beerdigt. Danach war das Leben nie mehr so wie vorher. Ich bin in der Nacht des Abschlussballs von zu Hause weggelaufen und zur Sporthalle gegangen, so als ob, wenn ich dorthin ginge, es so wäre, als wenn Sie dort wäre. So als ob ich ihren Traum wahr werden lassen könnte."

Ein raschelndes Geräusch kam durch die Telefonleitung, dann ein Schnäuzen als sich Skalany die Nase putzte.
"Bitte tu es, Peter. Du kannst den Traum des armen Mädchen wahr werden lassen." Eine erneute Reihe von Schnäuzern ertönte, dann hörte er sie murmeln.
"Caine. Wie hast du..... Schon gut. Pete, ich muss jetzt Schluss machen. Denk nur darüber nach. Ich kenne dich. Dein erster Eindruck war den Brief wegzuwerfen. Denke gut darüber nach, bevor du das tust. Oh, und gib mir nicht diesen "Ich bin nicht Detective December" Stuss. Ich habe in dieser Bäckerei mehr von dir gesehen als ein Partner jemals sehen sollte, obwohl du offensichtlich seitdem ziemlich trainiert hast. Und abgesehen davon, kann ich die meisten Narben des Kalender-Knaben mit deinen Besuchen im Country General in Verbindung bringen."

Die Verbindung wurde unterbrochen und die Maschine piepte dreimal um ihm anzuzeigen, dass das Ende der Nachrichten erreicht war. Zumindest war sein Vater bei Skalany. Ein Anflug von Eifersucht überkam ihn, den er jedoch schnell unterdrückte. Zum Teufel, warum sollte er der Einzige auf diesem Planeten sein, bei dem sein Vater spüren konnte, wenn er in Not und Qual war. Und Mary Margaret war ganz entschieden gequält.

Es wurde Zeit diesen verdammten Brief zu lesen.
Mit einer kalten Flasche Bier in der Hand ging er zurück ins Wohnzimmer und setzte sich auf die Couch. Er stellte das Bier auf den Tisch, holte den Umschlag aus der Jacke und nahm den Inhalt heraus.

Eine hübsche, junge blonde Frau lächelte ihn mit großen blauen Augen, die die Farbe eines klaren Mai-Morgens hatten, von einem Foto aus an. Er drehte das Bild um `Für Rob, mit Liebe Sunny`.
Der Name Sunny passte zweifellos zu ihr. Er konnte die Wärme, die von ihrem Lächeln und ihren Augen ausging spüren. Aber `Für Rob?`. Nicht für Detective December?
Interessant.
Peter schlug den Brief auf und fing an zu lesen:

Lieber Detective December,

ich schreibe im Interesse meiner Schwester, Sunny. Sie wird ohne Zweifel sauer auf mich sein, wenn sie das herausfindet, aber das Risiko nehme ich gerne auf mich. Sie müssen verstehen, in dem Zimmer meiner Schwester ist schon seit September, als ihre Diagnose gestellt wurde, Dezember. Sie hat einen inoperablen Gehirntumor. Im September hat man ihr noch 2 Monate zu leben gegeben.
Sunny hat entschieden, dass sie es bis zu ihrem Geburtstag schafft, der genau auf Silvester fällt. So ging sie in Ihr Zimmer und hat ihren Kalender auf Dezember umgeblättert. Seitdem hat sie jeden Tag auf Sie gestarrt. Sehen Sie, meine Schwester wird sterben und sie hat nur einen Wunsch - ihren 21zigsten Geburtstag, Silvester, mit Detective December zu verbringen.
Woher ich das weiß? Weil ich ihr Tagebuch gelesen habe, deshalb. Es ist die einzige Möglichkeit, wie ich etwas über sie herausfinden kann, ob sie Schmerzen hat oder nicht, oder wie sie sich wirklich fühlt. Nein, ich bin nicht Stolz darauf in die Intimsphäre meiner Schwester einzudringen. Aber sie ist die einzige Schwester die ich habe und ich werde sie verlieren. Ich weiß nicht, ob Sie verheiratet sind oder was - obwohl - wenn ich mir Ihr Bild so ansehe, bin ich sicher Sie sind nicht alleine....."

"Ja, sicher," murmelte Peter "Äußerlichkeiten können täuschen."
Er blickte wieder zurück auf den Brief.

......Aber vielleicht wird es die Frau in Ihrem Leben verstehen. Sagen Sie ihr, sie soll es wie eine dieser Wohltätigkeits-Junggesellenversteigerungen sehen. Wenn Sie es mit sich selbst vereinbaren können, dem letzten Wunsch meiner Schwester zu entsprechen, rufen Sie mich an. Ich schicke Ihnen ihr Bild. Meine Schwester möchte am 31. Dezember mit Detective December tanzen und Champagner trinken.
Bitte.....
Danke fürs zuhören.
Rob Lambert 555-9897

"Jesus," flüsterte Peter, während er wieder auf das Bild blickte. Diese lebendige junge Frau lächelte ihn an und in seinem Magen bildeten sich Klumpen. Wie würde er sich fühlen, wenn es eine seiner Schwestern wäre, Carolyn oder Kelly.
Eine von ihnen zu verlieren- oder alleine zu wissen sie zu verlieren - würde ein Schlag sein.
"Aber, verflucht noch mal, wie sehe ich denn aus, wie eine Wünsch-dir-was-Stiftung?"


Er warf das Bild und den Brief auf den Tisch und nahm dann einen großen Schluck Bier. Die Lampen in seinem Appartement flackerten, gingen aus und dann wieder an. In der Küche zeigte der Anrufbeantworter durch Piepen seinen Unmut, dann wurde Skalanys Stimme noch einmal wiedergegeben.

"Pete. Ich bin's wieder. Bevor du fragst, ich bin zu Hause, sicher und gesund, und ja, leicht angesäuselt. Hör zu. Ich werde dir erzählen, warum diese Sache so wichtig für mich ist..."
Er stöhnte. Das letzte was er jetzt gebrauchen konnte, war sich Ihr Anliegen noch einmal anzuhören.

Er sprang auf und rammte dabei sein Schienbein gegen den Rand des Tisches. " Sohn einer... "
Das Bier spritzte in der Flasche als er auf einem Bein hüpfte. Er bückte sich nach unten um das, was morgen mit Sicherheit ein Bluterguss sein würde zu reiben, dann richtete er sich auf und humpelte zurück in die Küche.

"Bitte tu es, Peter. Du kannst den Traum der armen Mädchen wahr werden lassen."
Er stellte die Flasche ab und drückte den Knopf, woraufhin Mary Margaret abgeschnitten wurde, bevor sie mit Ihrem Appell für die junge Frau fortfahren konnte.
Mit einem tiefen Seufzer lehnte er sich gegen die Küchenanrichte. Der Duft von Rind Lo Mein lag noch in der Luft, aber er hatte seinen Appetit verloren. Er brauchte das genauso sehr, wie er es brauchte wieder zur Fußpatroullie zurückversetzt zu werden.

Aber.... sie würde sterben. Und es war nicht so, als ob er schon andere Pläne für Silvester hätte. Oder eine Frau in seinem Leben, die er um Genehmigung bitten müsste.
Er atmete tief durch und fuhr sich mit der Hand durch sein Haar. "Komm zum 101sten, frag nach Detective December, er wird dir helfen," murmelte er. Sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater würden es ohne zu zögern innerhalb eines Herzschlags getan haben. Manchmal war es ein richtiges Ärgernis ein Teil der Caine-Linie zu sein.

Aber soweit wie guten Taten liefen, würde diese wenigstens ein Zuckerschlecken sein. Er würde sich ordentlich anziehen, sie ausführen, einige Male mit ihr tanzen, sie um Mitternacht küssen und sie anschließend wieder der Obhut ihres Bruders übergeben. Ein Dienst an der Menschlichkeit könnte nicht leichter sein als das. Sicherlich würde es die Tatsache übertreffen den Abend alleine zu Hause zu verbringen und sich zu fragen ob Kelly anrufen würde. Oder ob sie in dieser Nacht in den Armen eines anderen Mannes tanzen würde.
Zur Hölle damit.
Er griff zum Telefon.


Sunny Lambert zögerte, bevor sie das kleine Wohnzimmer betrat. Das kleine Häuschen hatte ihren Eltern gehört, aber jetzt gehörte es ihr gemeinsam mit ihrem Bruder.
Bald wird es nur ihm gehören. Sie rieb sich den Hinterkopf, den dumpfen Schmerz, der sich dort eingenistet hatte, verfluchend. Sie ließ ihre Hand fallen und setzte ein Lächeln auf.
*Es ist dein Geburtstag, du kannst das tun.*

"Der Gang der toten Frau," rief sie zu Rob, als sie um die Flurecke bog.
"Das ist nicht lustig......Wow"
Seine Augen weiteten sich, als er von der alten burgunderfarbenen Couch aufsprang. Er musterte sie schnell oben bis unten. "Sieh dich an."

Sie glättete den schwarzen Samt auf ihren Hüften, wo das Etui-Kleid wie eine zweite Haut an ihr saß. "Nicht schlecht für eine Leiche, wie?"
"Hör auf so zu reden. Und der einzige Tot heute Nacht wird ziemlich nah an jeden Burschen kommen, der dich in diesem Kleid sieht. Wenn sie nicht an einem Herzinfarkt sterben, werde ich sie selber töten müssen, weil ich weiß was sie denken werden."

Ein Grinsen ließ ihre Mundwinkel nach oben ziehen.
"Und was ist das, großer Bruder?"
"Wenn du das nicht weißt, werde ich es dir auch nicht sagen, Baby-Schwester."
"Hey, heute Nacht bin ich offiziell eine Erwachsene. 21."
"Du wirst immer meine Baby-Schwester bleiben."
Er öffnete seine Arme.

Sie gab sich seiner Umarmung hin. *Und ich werde immer 21 bleiben.*
Sie schob den kleinen Anflug von Selbstmitleid zur Seite und vergrub ihr Gesicht in seiner Schulter. Sein marineblauer Fleece-Pullover fühlte sich warm und weich unter ihrer Wange an.
Fleece? Sie löste sich aus seiner Umarmung.

"Du bist nicht fertig! Sieh dich an. Du hast immer noch deine Jeans und deinen Pulli an. Du bist noch nicht einmal schick gemacht!"
Die Türglocke spielte die erste der 20-Noten Melodie. Ihre Mom hatte dieses alberne Ding geliebt - Sunny selber fand es eher peinlich als amüsant.

Rob grinste sie an als das Schellen nicht endete.
"Gehst du aufmachen, würdest du das tun?"
"Ja, wenn du dich fertig machst. Wir werden zu spät kommen."

Sunny ging in Richtung Türe, sorgfältig darauf bedacht die Tatsache zu verbergen, dass ihr linkes Bein heute Nacht nicht so recht mitspielte. Zum Teufel, ihr linker Arm auch nicht. Aber sie würde Robs Sorgen nicht noch mehr vergrößern. Entweder wuchs der Tumor und drückte irgendwo gegen, wo er nicht sollte oder sie hatte irgendein Schlag getroffen.
Sie wusste, dass sie von geliehener Zeit lebte, also warum sollte sie sich sorgen? Heute Nacht war ihre Geburtstagsfeier und sie würde sie in Saus und Braus erleben.
"Iss, trink und sei vergnügt, denn morgen werden wir sterben," murmelte sie. Der Plural gab ihr ein vages Gefühl von Trost nicht alleine auf ihrer Reise in die Dunkelheit zu sein.

Durch das schmale Fenster neben der Türe konnte sie einen großen Mann ausmachen, der mit abgewandtem Gesicht am Vordereingang stand. Eine Brise kalter Luft wirbelte um ihre bloßen Füße als sie die schwere Eichentüre öffnete.
"Kann ich Ihnen helfen?"
Der Mann drehte sich um und Sunnys Mund klappte auf.
Eine Weihnachtsmütze, die bis über seine Augen gezogen war, saß auf seinem Kopf. Er trug einen langen, schwarzen Wollmantel, der seine breiten Schultern noch betonte.

"Ich möchte zu Sunny Lambert."
Sie schloss ihren Kiefer so heftig, dass ihre Füllungen klapperten. Nach einigen langen Sekunden, in denen sie nur dem Wind lauschte, fand sie ihre Stimme wieder.
"Und wer sind Sie?"
"Ich bin Detective December."
"Sicher, und ich bin die Zahnfee." kicherte Sunny.

Der Mann im Eingang nahm die Weihnachtsmütze ab und offenbarte ein Paar funkelnder haselnussfarbener Augen.
"Gut, denn ich habe schon seit Jahren eine Frage an dich. Wie kommt es, dass du niemals zum Shaolintempel gekommen bist?"
"Wie bitte?"
Er lachte, ein wohltuendes Geräusch, das sie bis in die Zehen wärmte, trotz der kalten Luft die durch den Türrahmen strömte.

"Schon gut. Hören Sie, es ist ziemlich kalt hier draußen, können wir dieses ‚wer ist wer' nach Drinnen verlegen?"
Sunny beäugte ihn vorsichtig. Irgendein Fremder, der von sich behauptete Detective December zu sein, wollte in ihr Haus? Na gut, er sah gut aus - zumindest das was sie von ihm sehen konnte- aber trotzdem...?
"Haben Sie einen Ausweis?"

Er steckte eine Fingerspitze in den Mund und zog sich so den grauen Lederhandschuh aus, dann griff er in einen Spalt seines Mantels und fingerte eine Weile darin herum.
"Hier" Er öffnete seinen Dienstausweis und hielt ihn ihr entgegen. "Peter Caine, Detective vom 101sten Revier." Sie nahm ihm den Ausweis aus der Hand und betrachtete ihn sorgfältig.

"Ich friere hier auf Ihrer Veranda langsam zu Tode." bemerkte er. "Es könnte als Mord ausgelegt werden, wenn Sie mich hier stehen lassen."
"Ist ja schon gut. Kommen Sie rein."
Immerhin war ja ihr Bruder auch noch im Haus. Der Dienstausweis wirkte echt genug. Und dann war da irgend etwas mit seinen Augen, das sie sich sicher fühlen ließ. Sie öffnete ihm die Türe weiter.

Peter streifte sich die wenigen Schneeflocken von den Schuhen und drängte sich dann hinter sie in den Eingangsbereich des kleinen Hauses. Nachdem sich seine Augen an die Lichtveränderung gewöhnt hatten, drehte er sich um, um seine Silvesterverabredung zu betrachten.
Sein gesamter Speichel trocknete in seinem Mund und seine Zunge klebte an seinem Gaumen fest.

Ein schwarzes Samtkleid umhüllte die weiblichsten aller Kurven, von süßen kessen Brüsten, über eine schmale Taille bis zu den sanften Ausbuchtungen ihrer Hüften. Er ballte seine Hände um den Drang diese samtenen Kurven zu berühren zu wiederstehen.
Der Saum des Kleides endete in der Mitte der Oberschenkel, entzückend lange Beine enthüllend. Und ein Paar nackter Füße. Mit Sicherheit nicht das, was er erwartet hatte, trotz der Photographie.

Er richtete seinen Blick wieder auf ihr Gesicht. Ihre blauen Augen funkelten ihn an. Nichts an ihr schrie ´Frau auf dem Sterbebett´. Allerdings hatte ihre Haut einen transparenten Schimmer und genau unter ihren Augen konnte er erkennen, dass sie Make-up aufgetragen hatte um die dunklen Schatten zu verbergen, von denen er bei jeder anderen Person angenommen hätte, dass sie durch Schlafmangel entstanden wären.

"So, ich habe die Dienstmarke gesehen, aber können Sie auch beweisen, dass Sie wirklich Detective December sind?"
Ein leichtes Lächeln erschien auf seinen Lippen, als er seine Dienstmarke von ihr zurück nahm. Sie hatte Schneid. Das erklärte wahrscheinlich auch, warum sie die Prognosen der Ärzte überlebt hatte.
"Wie hätten Sie denn gerne den Beweis? Soll ich für Sie strippen und Sie vergleichen mich dann mit dem Bild?"
"Das wäre für mich in Ordnung."

Sie lächelte zurück und ihr Gesicht veränderte sich, es hellte sich auf, als ob sie gerade etwas für sich entdeckt hätte.
"Haben Sie sich Musik zum Arbeiten mitgebracht? Sind Sie mein Geburtstagsgeschenk? O mein Gott, ich kann es gar nicht glauben. Mein Bruder hat mir einen Stripper zum Geburtstag engagiert."

Seine Ohrläppchen wurden heiß.
"Uh, nein, so ist es eigentlich nicht."
Aber sie hörte ihm im Augenblick nicht zu. Sie hatte sich dem Wohnzimmer zugewandt.
"Rob, ich kann es nicht glauben. Das ist die coolste Sache die du jemals für mich gemacht hast!"
"Ich habe nur einen Scherz gemacht!" warf Peter ein "Ich bin Polizist und ich bin Detective December, aber ich bin KEIN Stripper."

"Nein Zwerg, er ist kein Stripper, um Himmels Willen."
Ein Mann mit den selben butterbonbonfarbenen blonden Haaren erschien hinter ihr und streckte Peter die Hand entgegen.
"Schön Sie kennen zu lernen, ich bin Rob Lambert."
"Peter Caine"

Er akzeptierte den festen Griff des anderen Mannes. Zahlreiche Schwielen deuteten auf einen Mann, der mit den Händen seinen Lebensunterhalt verdiente.
"Ups," quietschte Sunny "Du meinst er ist wirklich...."
"Detective Peter Caine, vom 101sten, auch bekannt als Detective December, obwohl ich alles getan habe um das geheim zu halten."
Er grinste sie an. Das kleine bisschen Farbe, das sie in ihrem Gesicht hatte verschwand und sie schwankte.

"O mein..."
Peter fasste sie an den Armen und Rob hielt sie von hinten.
"Vielleicht solltest du dich setzten."
Sie nahmen sie in die Mitte und führten sie zum Sofa. Sie setzte sich und verbarg ihr Gesicht hinter der rechten Hand. Ein leichtes Stöhnen erklang aus ihrer Kehle. Rob setzte sich neben sie.
"Sunny, bist du OK?"
"Nein, bin ich nicht. Ich bin gedemütigt."


Sie ließ ihre Hand sinken und blickte zu Peter auf. Ihre Wangen waren scharlachrot.
"Detective, sorgen Sie dafür, dass der Leichenbeschauer Blamage als Todesursache bescheinigt, OK?"
"Nenn mich Peter."
"Was..Was machst du hier?"
"Dich zum Geburtstag ausführen und Silvester mit dir feiern."

Ihre Augenbrauen zogen sich nach unten.
"Wirklich?"
Sie wandte sich an ihren Bruder " Und wie kommt das?"
Rob lächelte sie an. "Herzlichen Glückwunsch zu Geburtstag, Schwesterherz. Dein Wunsch wurde dir erfüllt, noch bevor du die Kerzen auf deinem Kuchen ausgeblasen hast."
"Woher wusstest du....."
Sie schlug ihren Bruder gegen die Schulter.
"Du Kröte! Du Schleimer! Du hast mein Tagebuch gelesen, oder?"
Sie schlug ihn noch mal.

"Hey, Hey." Als Zeichen seiner Kapitulation hob Rob seine Hände mit nach vorne geöffneten Handflächen in die Höhe.
"Du sagst mir ja nie die Wahrheit. Ja, ich habe es gelesen."
Ein weiterer hallender Knall war zu hören, als Sunnys Handfläche durch Robs Abwehr hindurch seine Wange traf.
"Oh, verdammt. Jetzt reicht es, Sunny,"
Rob fing die auf ihn einschlagenden Hände seiner Schwester zwischen seinen eigenen ein und wandte sich an Peter.
"Sie stehen hier nur rum, während sie mich angreift?"
Peter grinste. "Ich werde mich hüten, mitten in einen Bruder-Schwester Streit zu geraten. Abgesehen davon haben Sie doch gewusst, dass sie verärgert sein würde."
"Verärgert, oh das deutet noch nicht einmal an wie ich mich fühle."
Sunny wand sich im Griff ihres Bruders.
"Lass mich los. Du ruinierst mein Kleid, du Neandertaler!"

Er ließ sie los und sie kam wieder auf ihre Füße, wobei sie ihr Kleid wieder glatt strich.
"Was hat es dich gekostet, damit er kommt. Kaufst du jetzt lebenslang Karten für den Polizeiball, oder was?"
Ihre Hände beruhigten sich und sie suchte Blickkontakt mit Peter.
Ein Schleier von Tränen schob sich vor ihre strahlend blaue Iris. Sie schüttelte sachte den Kopf.
"Nein." Sie drehte ihren Kopf wieder zu ihrem Bruder zurück.
"Sag mir, dass du es ihm nicht gesagt hast."

Robs Schultern erreichten seine Ohren und sackten dann wieder zurück.
"Eine Mitleidsverabredung. Ich bin eine abgefahrene Mitleidsverabredung. Weißt du denn gar nichts über weibliche Fantasien, Rob? Eine Verabredung mit dem Mann deiner Träume, nur weil du STIRBST gehört nicht dazu!"
Peter richtete sich auf und streckte seine Brust raus. *Traummann, wie?*

"Was macht es für einen Unterschied weshalb er hier ist, Schwesterherz? Fakt ist, er ist da, und er möchte mit dir ausgehen um heute Nacht mit dir zu feiern."
"Dein Bruder hat recht Sunny. Dies ist ganz entschieden keine Verabredung aus Mitleid."
"Ist es nicht?"
Sie richtete ihre großen Augen auf ihn.
"Nein. Willst du mich veräppeln? Ich werde heute Nacht der am meisten beneidetste Kerl sein. Das Kleid ist der absolute Hammer. Ich muss mich bei deinem Bruder für diese geschickte Einführung bedanken."
"Ich tue dir nicht leid?"
Er nahm ihre linke Hand. Da sie keinen Widerstand leistete, führte er sie zu seinen Lippen und hauchte einen Kuss auf ihre Knöchel.
"Mir tun all die Kerle leid, die heute Nacht nicht an meiner Stelle sind."
Die Linien in ihrem Gesicht wurden weicher und ihre Mundwinkel zogen sich leicht nach oben.
"In dem Fall, lass mich schnell meinen Mantel und meine Schuhe holen."

"Oh, sieh mal! Ich glaube da hängen tote Enten im Fenster!"
Sunny löste ihr Gesicht vom Fenster der Limousine um ihn anzusehen. Verdammt, sie war so niedlich. Als sie die weiße Stretchlimo gesehen hatte, die er nur mit viel Überredungskunst - und ein wenig Hilfe von Donnie Double D. - vom Autoverleih für diesen Abend bekommen hatte, hatte sie vor Freude in die Hände geklatscht. Vor lauter Lächeln würde ihm am Ende der Nacht das Gesicht weh tun. Nicht gerade das, was er von der Begleitung einer unheilbar Kranken erwartet hatte.

"Peking Ente ist eines der beliebtesten Gerichte hier. Hast du das schon mal gegessen?"
Sie schüttelte den Kopf und blickte wieder aus dem Fenster, ihr linker Arm war auf der glänzenden, hölzernen Ablage der Bar aufgestützt. Kniend und vornüber gebeugt, bot sie ihm unwissentlich einen atemberaubenden Anblick auf ihren wohlgeformten, samt-umhüllten Rücken.
Sein Gesicht war nicht das Einzige was den ganzen Abend schmerzen würde.

Er wechselte die Stellung, um es sich etwas bequemer zu machen.
"Du solltest dich wirklich anschnallen."
Sie kicherte, ihr Atem beschlug das Fenster.
"Warum? Du bist es doch auch nicht. Willst du uns etwa beiden ein Knöllchen verpassen?"
Das was er ihr geben wollte stand nicht, wiederhole nicht, auf dem Plan für diesen Abend.

"Ich möchte nur nicht das du dich verletzt."
Ein lautes prasselndes Geräusch war von außerhalb des Autos zu hören.
"Feuerwerkskörper. Diese Jungen zünden direkt an der Straßenkreuzung Feuerwerkskörper an."
Ihrer Stimme war ein Hauch von Eifersucht anzuhören. Sie blickte über ihre Schulter zurück.
"Ist das nicht illegal?"
"Hmm, technisch gesehen schon. Aber Chinatown und Feuerwerk gehören einfach zusammen. Wir neigen dazu alles anders zu sehen. Sag mir nicht, dass du noch nie in Chinatown warst?"
"OK, ich werde es dir nicht sagen. Werden wir Silvester hier verbringen?"

Sie drehte sich um. Als sie ihre Beine entwirrte bog der Wagen um eine Kurve, wodurch sie kopfüber in den marineblauen, ausgelegten Fußraum geschleudert wurde. Peter beugte sich über den Glashalter.
"Gib mir deine Hände."
Er streckte seine zu ihr aus. Ihre weiche, warme Hand griff seine mit festem Griff und sie zog sich selber zurück auf den weichen, weißen Sitz.
"Ups, jetzt weiß ich was du mit dem Sicherheitsgurt gemeint hast. Ich glaube ich bleibe jetzt einfach geradeaus sitzen. Danke."
Ihre Wangen verfärbten sich leicht.
"Gute Idee, und um deine Fragen zu beantworten: Nein wir werden Sylvester nicht hier verbringen. Ich muss hier nur mal kurz anhalten, wenn du nichts dagegen hast."
"Ich werde dir folgen, wohin du mich auch führst, Detective December."

Sie lächelte ihn sanft an und neigte sich, einen leichten Duft von Lavendel mit sich bringend, näher. Ihre Finger strichen zärtlich über seine Wange, verschwanden dann blitzschnell nur um ihm die Weihnachtsmütze vom Kopf zu ziehen. Sie setzte sie in einem schelmischen Winkel über ihre eigene Stirn. Sie kicherte, als die Mütze nach unten rutschte und ihr gesamtes Gesicht verbarg.
"Die Verkleidung steht dir besser als mir."
Er schob sie zurück über ihre Augen.
"Denk nur an unsere Vereinbarung: Nenn mich in der Öffentlichkeit nicht Detective December, OK?"
"OK."

Ein blaues Auge schloss sich in einem kecken Zwinkern und er unterdrückte ein Stöhnen. *Sie ist erst 21 und sie wird sterben. Hör auf zu flirten und hör auf an das zu denken, an was du denkst.*
Vielleicht hatte sein Vater ja irgendeine Art Tee, der seine tobenden Hormone beruhigen konnte. Besser noch, und viel wichtiger, wenn er etwas hätte, das ihr helfen konnte.
Das jemand so junges und vitales, so.... nun gut, so verdammt sonnig, zu einem solch hartem Schicksal verurteilt werden sollte.....
Sein Magen zog sich zusammen. Ärzte hatten sich schon früher geirrt. Insbesondere, wenn sie durch Kwai Chang Caines Zaubertränke herausgefordert wurden.

Einige Minuten später folgte er ihr die Treppe hinauf. Das leichte Zögern, bevor sie mit dem linken Fuß auftrat und der feste Griff um das Geländer bestätigten seine Vermutung. Er hatte ihre einseitige Schwäche in dem Moment gespürt, als er ihre linke Hand genommen und die weichen Knöchel geküsst hatte.
Er bewegte sich beschützend hinter ihr, machte aber keine Bemerkung.
Er klopfte einige Male an der Türe seines Vaters und trat dann ein.

"Pop? Bist du da? Ich möchte dir Jemanden vorstellen."
Bekleidet mit seinem schwarzem Seidenhemd, das den Tiger auf der Schulter hatte, trat sein Vater durch den Zugang der Apotheke.
"Ich bin hier, mein Sohn."
Er bewegte sich ungezwungen in ihre Richtung, mit all der Grazie die Peter bei jeder seiner Bewegungen bewunderte. Schwankte der Mann eigentlich nie?

"Sohn? Pop?"
Sunny erstarrte in ihrer Bewegung.
"Du hast mich nach Chinatown gebracht um deinen Vater zu treffen?"
Für den Bruchteil einer Sekunde, befürchtete er, dass seine lebhafte junge Verabredung sich als hässliche, voreingenommen Hexe entpuppen würde. Aber dann zwinkerte sie ihm zu.
"Mann, meinst du nicht, dass das ein bisschen zu schnell geht?"
Ihr Lächeln schwankte ein wenig, festigte sich dann aber.
"Andererseits habe ich sehr wenig Zeit zu erübrigen. Ich mag deine Art zu denken."

Peter schüttelte seinen Kopf. "Sunny Lambert, mein Vater, Kwai Chang Caine."
Pop verbeugte sich. "Es ist mir eine Freude Sie kennen zu lernen, Sunny."
Sunny streckte ihre Hand aus. "Die Freude heute Nacht ist ganz auf meiner Seite, Mr. Caine."
Pops eine Schulter zog sich nach oben und er neigte den Kopf zur Seite.
"Bitte, nur Caine."
Er schüttelte ihre Hand.

"Mein Dad ist ein.... eine Art Heiler, Sunny. Ich habe gehofft, dass er einen Blick auf dich werfen darf."
Sein Vater warf ihm mit hochgezogener Augenbraue einen fragenden Blick zu.
Sunny wandte sich Peter zu und hielt seinen Blick fest.
"Hat mein Bruder dich dazu aufgefordert? Er hat mich zu allen möglichen Quack.....ummm, schon gut."
"Ich habe das deinem Bruder gegenüber gar nicht erwähnt. Ich wollte keine Hoffnungen in ihm wecken, falls...."
"Falls es keine Hoffnung gibt." Beendete sie den Satz für ihn.
"Ich bin dir dafür dankbar. Er hatte eine sehr schwere Zeit, die Dinge so zu akzeptieren wie sie sind."

"Sie sind krank?" fragte sein Vater.
Ihr Gesicht verwandelte sich zu einer Maske von Gelassenheit, aber ihre Lippe zitterte als sie sprach.
"Ich habe einen Gehirntumor. Zu tief und an einer zu gefährlichen Stelle um ihn operieren zu können. Sie haben mir gesagt, daß Bestrahlungen und Chemotherapie mein Leben nur um Minuten verlängern würde. Ich wollte nicht den Rest meines Lebens damit verbringen mir die Eingeweide auszuspucken.
"Ahhh."

Sein Vater schaute zu Peter, dann zurück zu Sunny.
"Wenn Sie es wünschen, könnte ich Sie...... untersuchen." Er spreizte seine Hände, die Handflächen nach oben. "Ich weiß nicht, ob ich Ihnen helfen kann, aber...."
"Aber ein Versuch kann nicht schaden, was?"
Nachdem er Peter in den Meditationsraum geschickt hatte, begleitete sein Vater sie in die Apotheke.

Peter wanderte im ganzen Raum herum, verbrachte seine Zeit damit aus dem Fenster auf die frostige Stadt zu blicken und stand schließlich vor dem Altar, wo eine Myriade von Kerzen flackerten, deren Flammen in dem leichten Luftzug des alten Gebäudes tanzten.
Der überwältigende Drang sich auf dem Boden niederzulassen und seine innere Ruhe zu finden schrie nach ihm, aber der geliehene Smoking und der gute Mantel waren nicht gerade die Setz-dich-auf-den-Boden-Kleidung.
Als er schon dachte, dass er das Warten nicht länger aushalten würde, spürte er die starke Präsenz seines Vaters hinter sich. Er wandte sich vom Altar ab.

"Und?"
Die Augen und die Stimme seines Vaters waren weich. "Sie ist eine bemerkenswerte junge Frau."
"Ich kenne sie noch nicht einmal eine Stunde und bin zu der selben Erkenntnis gekommen. Du kannst ihr nicht helfen, oder?"
Pop schüttelte leicht den Kopf.
"Ich habe ihr Chi gekräftigt, einige Funktionen ihrer linken Seite wieder hergestellt und ihren Schmerz gelindert. Aber das eigentliche Problem, nein, da kann ich nicht helfen."

Peter drehte sich mit zusammengeballten Fäusten wieder zum Altar. Das ermutigende Gewicht der Hand seines Vater landete auf seiner Schulter. Peter bemühte sich trotz des Kloßes in seinem Hals zu sprechen.
"Gut, trotzdem Danke Pop."
Sunny hustete diskret am Türeingang. Peter schüttelte die Hand seines Vater ab und drehte sich um, um sie anzusehen.
Ihre weiße Kaninchenfelljacke baumelte über ihren Fingerspitzen und sie lächelte ihn vorsichtig an.

"Hey Detective, du hast mir eine Geburtstagsfeier versprochen, die mich von den Socken hauen sollte. Es hilft natürlich, dass ich gar keine Socken trage."
Sie neigte ihren Kopf in Richtung Türe. "Wir verschwenden Zeit. Was sagst du, können wir loslegen?"
"Es tut mir leid, Sunny. Ich hatte gehofft....."
"Hey, ich fühle mich im Augenblick besser wie seit Wochen. Jetzt werd mir bloß nicht weich, Detective. Du hast mir versprochen, das wäre keine Verabredung aus Mitleid. Dies war ganz entschieden kein vergeblicher Besuch."
Sie neigte ihren Körper in Richtung seines Vaters.
"Danke, Caine."
Pop erwiderte die Verbeugung.

Sie gingen gemeinsam zu Tür des Appartements und Peter half ihr, staunend über die verbesserte Beweglichkeit ihres linken Arms, in den Mantel. Nein, es war kein vergeblicher Besuch gewesen, aber er wünschte sich immer noch, dass das Ergebnis ein anderes wäre.

Als er die Türe öffnete, fuhr die Hand seines Vaters vor. Er umschloss ihr Gesicht und tätschelte es anschließend.
"Genieße die Nacht,"
"Das werde ich." Flüsterte sie.
Peter tat so als ob ihm die Tränen in ihren Augen nicht aufgefallen wäre, als sie aus der Tür gingen.

 

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